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To Kakadu And The Kimberley

Freitag, 11. Juni 2004
Im tropischen Norden Australiens dominieren zwei Jahreszeiten die Natur, die Wet Season und die Dry Season mit den jeweiligen Übergangszeiten. Dieser Rythmus bestimmte Jahrtausende lang das Leben der Ureinwohner: Im Gebiet des heutigen Kakadu Nationalpark und in Arnhem Land lebten die Meschen während der Dry Season in den ausgedehnten Floodplains, wo sie in den Flüssen, Billabongs und den Monsunwäldern ausreichend Nahrung und andere für das Leben notwendige Dinge fanden.

Von Mai bis Juli ist das Klima hier sehr angenehm, ab August nimmt die Hitze stetig zu und im November beginnt die "Building Time" mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit und ersten Gewittern. Ab Dezember ziehen Zyklone vom Meer heran, die sehr heftige oft Wochen andauernde Regenfälle mit sich bringen. Die Niederungen werden überschwemmt und von den Monsunwäldern sind nur noch die Baumkronen zu sehen. Flüsse werden zu reissenden Strömen und donnern als gewaltige Wasserfälle vom Rand der angrenzenden Felsenlandschaft (Stone Country).

 

Stone Country ner Oenpelli

Hierhin zogen die Menschen und lebten in halboffenen Höhlen (Shelters). Das war auch die Zeit, die heute so berühmten Felszeichnungen zu erneuern. Manche beschreiben Dinge des täglichen Lebens (Jagen, Fischen, Tanzen), andere hatten (und haben) spirituelle Bedeutung, die mit der "Creation Time", den Jahreszeiten oder den zahlreichen "Spirits" und Ahnen in Verbindung stehen. Manche Plätze dürfen nur von Frauen oder nur von Männern aufgesucht werden (men's oder women's business). Verstöße gegen diese Gebote (the law) hatten (und haben) oft fatale Folgen. Diese "Sacred Sites" müssen auch vor den nicht initiierten Weissen geheimgehalten werden.

Arnhem Land ist Aboriginal Land und darf von Weissen nur mit speziellen "Permits" besucht werden. Und die sind nicht gerade billig. Doch uns lockt die Kunst und die Aussicht eine der wunderschönen "Rock Art Galleries", die wir aus Büchern kennen, in Natura zu sehen.

floodplains near Oenpelli

Nachdem wir in Jabiru für 25 $ eine Tages-Permit gekauft haben, fahren wir über die "Grenze" in die Aboriginal Community Gunbalanya (Oenpelli). Der Ort hat ein "Art Center", hier werden Aboriginal Art und Artefacts produziert und verkauft. Das Center wird von Weissen geleitet. Die Kunst der Aborigines erzielt heute auf dem Weltmarkt mitunter sehr hohe Preise und ist für Australien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Im Schatten sitzen Frauen, flechten Körbe und Matten aus mit Pflanzenfarben gefärbten Pandanus-Blättern. Einige Männer malen im traditionellen Stil Tiere oder "Spirits" ihrer Lanschaft mit Erdfaben auf Aquarellkarton oder Baumrinde. Was einst Teil ritueller Handlungen war, ohne Selbstverwirklichung einzelner Künstler, ist heute Kunst in Sinne des weissen Art Business und da ist der Name des Künstlers oder der Künstlerin von großer Bedeutung. Aus den ursprünglich gemeinschaftlichen Aktionen einer Großfamilie sind individuelle Einzelleistungen geworden.

Im Art Center "mieten" wir uns für stolze 80 AUS $ einen Führer, Thompson Yulidjirri, einen ortsansässigen Künstler, der uns zu fünf "Art Sites" auf dem Injalak - Hill führt. Durch ein labyrinthisches Gewirr von Felsen und Bäumen klettern wir zu den ehemaligen Wohnstätten auf. Die Wände sind bedeckt mit dem für das Arnhem Land typischen Stil, den sog. X-Ray-Zeichnungen, die teilweise auch die Knochen oder Innereien der dargestellten Tiere zeigen. Gemalt wurden sie mit rotem und gelbem Ocker, mit Holzkohle und weissem Lehm. Manche der Zeichnungen sind tausende von Jahren alt, andere vielleicht nur hundert, sie wurden immer wieder übermalt und erneuert, eine Zeichnung über die andere gemalt, so daß in Laufe von Jahrtausenden die "Art Galleries" entstanden. Sie sind wirklich wunderschön und übertreffen die Galleries im Kakadu National bei Weitem.

Während der Tour erzählt uns Thompson, dass er heute nachmittag in den "Club" geht, und mit seinen "Mates" ein paar Bier trinkt. Friday is Payday. (Auf unserem "Passierschein" steht, dass Gunbalanya eine "dry community", also alkoholfrei ist, und dass das Mitführen von Alkohol strengstens untersagt ist.)

 

Die Ureinwohner dieser fantastischen Landschaft, die zum Teil noch vor 60 Jahren nach ihren hochkomplexen uralten Gesetzen mit ihrer eigenen Spiritualität lebten, befinden sich nun irgendwo zwischen "Dreamtime", Black Law, Kunst, White Business, Alkohol und Gewalt.

oenpelli - X-Ray Paintings
rocks
X-Ray Painting
rocks and grinding stone
rock painting
Thompson explaining the use of paperbark
crafting

community dog

 

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painting X-Ray-style

© 2004 Ingrid Weidig, Bernhard Boedeker
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