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Going North To Cape York

Samstag, 6. Dezember 2003
Wieso denken wir bei Palmen, Sonne und Meer immer ans Paradies?

So ist es nun mal, und wir haben eins gefunden: Chilli Beach im Iron Range National Park, schon ziemlich weit im Norden der Cape York Peninsula.
Sandstrand (bei Ebbe), Sonne (etwas zu heiß), warmer Wind, türkisblaues Meer und Kokospalmen. Direkt daran anschließend urwüchsiger Regenwald mit Vegetationsformen aus der Zeit als Papua Neuguinea und Australien noch zusammenhingen.

Chilli Beach ist kein Bilderbuchparadies, niemand räumt hier die alten heruntergefallenen Palmwedel weg, an den Strand werden bei jeder Flut wieder ein paar neue Plastikteile der Zivilisation angeschwemmt. Je nach Menge des angeschwemmten Seegrases, das in der Sonne modert, stinkt es auch ein wenig.

Aber es ist authentisch, ebenso wie die Moskitos, die über uns herfallen, und die noch viel gemeineren Sandflies. Sie lauern im Sand und beißen uns in die Füße.

Trotz aller Widrigkeiten - im Meer Krokodile, im Regenwald wilde Schweine - sind wir jetzt schon 3 Tage hier.

 

Chilli Beach

Unter den Kokospalmen sollte man sich tunlichst nicht aufhalten, denn die Kokosnüsse sind reif und fallen ungebremst aus 20 Metern Höhe herunter. Und sie sind schwer. Wir finden auch einen Mangobaum mit reifen Früchten.

Was bei uns die Assoziation "Paradies" wachruft, ist für den Ranger eine "Pest". Kokospalmen gehören hier nicht zur ursprünglichen Vegetation, sie sind als Kokosnüsse übers Meer angeschwemmt worden und haben sich angesiedelt und vermehrt.

"Going Bush" heißt für Australier, sich mit Auto, Zelt oder Swag, mehreren Kühlboxen und tausend nützlichen Sachen für ein paar Tage in den Busch zu verziehen und frei zu leben. Und vor allem nicht auf die Uhr sehen, Handys funktionieren hier sowieso nicht.

Ian ist auch schon seit Freitag hier, konnte endlich mal in Ruhe Fotos am Laptop sortieren, Bücher lesen, für die er sonst keine Zeit hat. Es ist schön, stundenlang mit ihm zu schwätzen, er kennt Australien natürlich ganz anders als wir,er ist als 15-jähriger aus England herübergekommen. Da er als Psychologe beruflich auch mit Aborigines zusammengearbeitet hat, weiß er sehr viel über ihr Denken, was manche Ungereimtheiten im Zusammenleben von Schwarzen und Weißen erklärbarer macht: So unterscheidet sich das Zeitdenken der Aborigines grundlegend von unserem: Has always been -- Is now -- will always be. Vieles ist einfach seit jeher und für immer unveränderlich, so auch die Gesetze, nach denen die Menschen zu leben haben ...

Er erzählt auch, daß irgendwann die britische Marine auf allen Inseln des Pazifik Kokosnüsse und Schweine ausgesetzt hat, damit die schiffsbrüchigen Seeleute auf jeden Fall was zu essen haben. So kamen also die Kokosnüsse ins Paradies.

Sonntag, 7. Dezember 2003
In der letzten Nacht hat es rundum geblitzt und gedonnert, auch hier ist etwas Regen gefallen. Noch am frühen Morgen hat sich ein heftiges Gewitter über dem Meer entladen. Wir sind verschont geblieben, doch es ist drückend heiß, kaum Wind, dafür furchtbar viele Mücken. Gut geschlafen haben wir auch nicht. Die Kehrseite des Paradieses kurz vor der Wet Season.

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Chilli Beach
Chilli Beach
Mangoes and coconuts    coconut palm
Ian
thunderstorm

© 2003 Ingrid Weidig, Bernhard Boedeker
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